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Bauanleitung: Einfache Gurthalterung für das Smartphone

Gurthalterung für Smartphones - günstig selbst gebaut

 

Nach einigen Anfragen und Emails wegen der Gurthalterung für das Smartphone
gibt es jetzt doch eine kurze Bauanleitung mit hoffentlich hilfreichen Tips.

Die Gurthalterung für das Smartphone ist eine alternative zum Saugnapf oder anderen Befestigungen im Cockpit eines Flugzeugs. Vorteile in der Gurthalterung für das Bein liegt in der freien Sicht nach aussen, die durch einen Saugnapf an der Scheibe oft teilweise versperrt ist, sowie einer Unabhängigkeit vom Fluggerät. Meist bieten Segelflugzeuge kaum genug Platz auf dem Intrumentenpanel noch ein zusätzliches Element unterzubringen, schon gar kein Smartphone mit grossem Display und dazugehöriger Befestigung. Wenn man dann noch unterschiedliche Flugzeuge wie Ka8 oder LS-4 fliegen will, bedingen diese meist unterschiedliche Halterungen oder zumindest eine andere Positionierung im Cockpit.


Die Gurthalterung fürs Bein hat den Vorteil dass das Smartphone - und damit ein relativ wichtiges Anzeigeinstrument - immer am gleichen Platz im Cockpit ist und man sich nicht ständig neu an eine Anzeigeposition gewöhnen muss. Weiter stört es am Oberschenkel nicht weiter und ist für eine einfache Bedienung sehr praktisch mit beiden Händen erreichbar. Sollte einmal die Sonne den Blick aufs Display erschweren, lässt sich der Screen sehr einfach "bewegen" indem man einfach das Bein anwinkelt. Der Gurt mit Klettverschluss lässt sich im Flug ebenfalls sehr leicht und schnell abnehmen, so dass man mit der Handykamera auch flink ein paar Schnappschüsse einfangen kann oder einen kurzen Videoclip aufnehmen kann. Auch praktisch: Der Beingurt dient zusätzlich als Sicherungsriemen, wenn man die Kamera aus dem Fenster halten will, um ein Bild vom Heck oder von der Landschaft unter sich zu machen. Dies aber bitte nicht in niedrigen Höhen oder in Lufträumen mit viel Verkehr machen! Sicherheit im Flug geht immer vor! :)

Was benötigt man für so eine einfache Halterung?:

- Ein Smartphone (selbsterklärend)
- eine dazu passende Hülle (Case) aus stabilem Material (kein Silikon)
- einen Gurt aus Leder oder ähnlich flexiblem und robustem Material
- ca 10 Zentimeter Klettverschlussband
- ein bisschen Schneide- und Schleifwerkzeug
- Nähmaschine oder Schneider

Der Bau ist damit eigentlich in ca 15 Minuten machbar!

 

Grobe Bauanleitung:

 

Teil 1: der Gurt

Zuerst muss natürlich der Umfang des Oberschenkels bekannt sein. Diesen mit einem einfachen Massband oder notfalls mit einem Bindfaden am halbwegs angewinkelten Bein abmessen. Der Umfang des Beins ist natürlich in angewinkeltem oder ausgestreckten Zustand unterschiedlich. Mit dem Kletterschluss lassen sich aber kleine Unterschiede später noch gut anpassen. In der gemessenen Länge plus ca 10 Zentimeter einen Lederriemen mit ca 2-2,5 cm Breite zurechtschneiden. Die 10 Zentimeter zusätzlich sind dann für die Überlappung des Klettverschlusses. Wenn möglich kann man diesen Lederriemen an den Längsrändern noch mit 2 Nähten verstärken, dies hilft ua auch gegen altersbedingte oder materialbedingte Dehnung des Riemens, so dass er im Flug nicht nachgestellt werden muss. Mit diesen Längsnähten kann man gleich die beiden Teile des Klettverschlusses an die Enden des Riemens nähen, so dass dieser dann um das Bein herum verschlossen werden kann. Hier bitte auf das Anbringen der Teile auf der richtigen Seite achten!
Tip: Wenn man das nicht selbst machen kann, dann geht man zu einer Schneiderei (oder Lederschneiderei) und lässt sich das anfertigen. Meist sind dort noch Lederreste übrig und ein Klettband vorrätig, so dass man selbst eigentlich auch keine weiteren Anschaffungen hat. Das Ganze ist in wenigen Minuten gemacht und kostet je nach Gutdünken und Laune des Schneiders zwischen 3 und 10 Euro.

 

Teil 2: das Case


Für das Case geht zum Handyshop oder zur Elektronikfachmartkette seines Vertrauens und lässt sich ein Case aus robustem Material zeigen. Diese sind aus Hartplastik oder besser noch Polycarbonat, so dass sich das Smartphone auch bei Erschütterung und Turbulenz nicht im Flugzeug verselbstständigt! Marken wie Case-Mate, Belkin oder AEGIS sind hier nur als Beispiel für Hersteller genannt. Die besten Erfahrungen habe ich allerdings mit den silbrig-hellen Polycarbonathüllen von AEGIS gemacht. Zur Erinnerung: Dunkle Cases können sich bei Sonneneinstrahlung übermässig erhitzen, was das Smartphone nach einer Weile einen unliebsamen Begleiter am Bein werden lässt. Ebenfalls können die Geräte hier auch leichter überhitzen und eventuell sogar ihren Dienst versagen. Kosten für ein gutes Case: ca 10-12 Euro.

Jetzt ist ein ruhiges Händchen gefragt, oder eine gute Maschinerie. Ich persönlich schneide die beiden Schlitze per Hand in die Rückseite der Hülle. Man kann das sicher auch mit Arretierungen und Bohrmaschinenständer handwerklich perfekt machen, allerdings habe ich da weder die Geduld noch den Perfektionsgeist mich hier zu "verkünsteln". Letztendlich sieht man die beiden Schlitze sowieso nicht und die Halterung funktioniert genauso gut.

Auf der Rückseite der Kunststoffhalterung müssen also nun zwei Schlitze erzeugt werden, durch die später der Lederriemen durchgezogen wird. Bei einer Breite von 2 cm des Riemens macht man die beiden Schlitze zirka 3 Zentimeter lang und mit ca 2-3 cm Parallelabstand zueinander. Die Schlitze sollten ein wenig länger sein als der Riemen breit ist, weil sonst durch Spannung eine Kerbwirkung an den Schlitzenden auftreten kann, die über die Zeit kleine Risse an den Schlitzenden hervorrufen kann. Die Schlitze habe ich mit einer kleinen Handbohrmaschine mit einem Bohrer von 4 mm Durchmesser und einer Mini-Trennscheibe gemacht. Zuerst misst man sich die Mitte der Halterung aus, und geht von der Mitte weg die jeweils halbe Breite der Schlitze und den jeweils halben Parallelabstand der Schlitze ab und markiert das mit einem Bleistift. Hier piekt man noch ein kleines Loch mit einer Aale oder einem andere spitzen Gegenstand, so dass man mit dem Bohrer nicht abrutscht und sich hässliche Kratzer auf dem Case macht. dann werden die vier Löcher gebohrt, bei denen dann zwischen jeweils zwei ein Schlitz herausgetrennt wird mit der kleinen Trennscheibe. Damit das Ganze dann keine Risse im Lederriemen erzeugt oder Kratzer macht, schleift man den Grat entlang der herausgetrennten Schlitze mit einer Feile oder Sandpapier ab.
Tip: Bohrer sollte ja jeder zu Hause haben und die Mini-Trennscheiben gibt es zum Einspannen in handelsübliche Bohrmaschinen in jedem Baumarkt oder (ein klein wenig teurer meist!) in jedem Modellbau-Fachgeschäft für 1-2 Euro.

Am Ende wird dann eigentlich nur noch der Lederriemen durch die beiden Schlitze gezogen und kann so um das Bein befestigt werden. Die Halterung ist lagestabil und trotzdem sehr angenehm am Bein zu tragen. Im Flug kaum spürbar und kann binnen wenigen Sekunden vom Bein gelöst werden. Viele Erfolg beim Basteln :)

 

Der Lederriemen mit Klettband

 

Das Case mit den Schlitzen

 

Smartphone mit Halterung