#TLDR

[Update:] Samsung Galaxy S3 - im Flug getestet

Samsung Galaxy S3

Spezifikationen und Features:
Link auf die Samsung Seite

 

Meine Erfahrungen mit dem Galaxy S3:

Nach dem HTC Sensation, mit dem ich sehr zufrieden war, musste jetzt als technischer
Fortschritt eine Verbesserung her. In den Monaten vor dem Kauf habe ich mich um ver-
schiedenste Features und die genaue Hardwareausstattung und Leistung informiert.
Man kommt dann eigentlich nicht an ein paar Geräten von Samsung vorbei, da sie für
die Piloten noch ein paar Extras bieten, die den Ottonormaluser nicht unbedingt so sehr
interessieren. Diese zusätzlichen Features klingen sehr interessant:

- Glonass Support und GPS gleichzeitig
- Hardwareseitig verbautes Barometer
- die hohe Rechenleistung der Exynos Prozessoren
- extrem niedriger Stromverbrauch dank 32nm Fertigungsprozess
- Akku mit 2100 mAh
- USB-Hosting
- grosse AMOLED Displays
- flache und leichte Bauform

GPS/Glonass System

Glonass ist das russische Pendant zu dem amerikanischen GPS-System und hat
ebenfalls eigene Satelliten in der Erdumlaufbahn, mit denen die Positionsbestimmung
auf der Erdoberfläche möglich ist. Das Galaxy S3 kann beide Satellitensysteme
gleichzeitig auswerten, um eine noch genauere Positionierung vorzunehmen.
Einerseits verkürzt das die Zeit zum ersten Fix (bis das Telefon die eigene Position
zum ersten mal bestimmt), und andererseits kann der verbaute GPS-Chip auch
bei schlechteren Bedingungen (Wolkendecke, schlechtere Position des Telefons
im Flugzeug etc) die Verbindung problemlos halten, da deutlich mehr Satelliten
"sichtbar" sind. Dies funktioniert in der Praxis eben auch wie erwartet:
Jede Software/App auf dem Telefon zur Navigation hat nach maximal 5 Sekunden
einen Lock und eine exakte Position. Ebenfalls zeigte das Smartphone bisher noch
nie einen Aussetzer und trackt die Flugbahn vom Take Off bis zur Landung exakt
mit. Der Glonass Support bedeutet hier aber auch, dass ein Satfix selbst nach einem
Absturz der Navigations-App sofort wieder verfügbar ist, ohne dass das Telefon auf
A-GPS (assisted GPS, erfordert eine Internetverbindung) angewiesen ist. Dies kann
sehr nützlich sein bei der schlechten Internetverbindung in Flughöhen ab 8000 Fuss
MSL. Ein Vergleich der GPS-Aufzeichnung von HTC Sensation, HTC Desire HD und
Samsung Galaxy S3 kommt noch in den nächsten Tagen.

 

Barometer

Das Barometer ist ein weiteres technisches Detail das echt überrascht.
Der Bosch BMP180 MEMS Pressure Sensor nimmt Höhenunterschiede von 13 Zenti-
metern wahr und arbeitet dementsprechend genau. Die XCsoar Testversion kann
das Barometer nutzen und bindet dieses an einigen Stellen gekonnt in das Naviga-
tionssystem als QNH/Höhe über Grund und als akkustisches Variometer mit ein.
Zudem sorgt das Barometer zusätzlich für einen schnellen Satellitenfix, da die Höhe
bereits zur Positionsberechnung vorgegeben ist.
Eine weitere äusserst praktische Anwendung des Barometers ergibt sich mit der
App "sensitive Altimeter". Nach stundenlangem Flug kann man sich sehr bequem per
ICAO-Code eines nahegelegenen Flugplatzes (zB LOWS für Salzburg oder EDDM für
München) den aktuellen QNH aus den Metar-Daten einholen, den die App dann zur
Darstellung der Flughöhe über MSL ausgibt und eventuell auch korrigiert. Dafür ist
allerdings eine Datenverbindung ins Internet erforderlich.

 

Prozessor

Der Exynos 4212 Quad-Core Prozessor liefert mit 1,4 GHz pro Kern im Moment die
höchste Rechenleistung unter den Smartphones. Da der Prozessor in 32 Nanometern
und High-K Metal Gate (HKMG) 30 Prozent weniger Stromverbrauch als die Vorgänger-
version benötigt, wirkt dich das auch spürbar auf die Akkulebenszeit aus. Bei meinen
bisherigen Flügen mit dem Galaxy S3 werden für ca 2 Stunden Flugzeit etwa 18-20 %
der Gesamtkapazität verbraucht. Dabei ist das Display durchgehend an, die XCSoar-
Software permanent aktiv und der Flugmodus aktiviert (Kein Netzempfang, keine Daten).
Dies stellt bei gleichen Bedingungen etwa das Doppelte an Nutzzeit dar, oder anders
ausgedrückt: Das Telefon hält locker doppelt so lange im Flug, ohne dass es dabei an
eine Stromquelle angeschlossen sein muss. In den Flugzeugen von Vereinen und Schulen
ist dies dank fehlender 12 Volt-Steckdosen ohnehin nicht möglich.

 

Akku

Der verbaute Akku im Galaxy S3 liefert mit 2100 mAh deutlich mehr als die von der
Konkurrenz verbauten Batterien mit 1200-1800 mAh. Diese Energiereserve, die Wirt-
schaftlichkeit der Prozessoren und der anderen Hardwarekomponenten wie zB. des
Displays sorgen für lange Laufzeiten der Smartphonelösung im Flug. Wenn man die
unbenötigten Komponenten (wie zB. Modem für den Netzempfang, WLAN, Blutooth etc)
abschalten kann, erhöht sich dementsprechend zusätzlich die Laufzeit. Das Android 4.0.4
und die Energieverwaltung von Samsung laufen in Sachen Energieeffizienz ausgezeichnet
und sorgen auch hier für ausreichend Reserven. Wer also keine bekannten Stromfresser-
Apps installiert hat, kommt mit diesem Smartphone leicht für 6-8 Stunden ohne Strom
aus.

 

USB Hosting

USB-Hosting ist die Möglichkeit das Telefon selbst nicht nur als Datenspeicher oder Subgerät an
einen PC oder Mac anzuschliessen, sondern an das Telefon Drittgeräte wie Festplatte, USB-
Sticks, Mäuse und Tastaturen anschliessen zu können. Interessant wird dieses Feature, wenn
man die Datengeräte im Flugzeug mit dem Smartphone und der darauf laufenden Soft-
ware verbinden will. Da wären zB das FLARM, diverse Varios und weitere GPS-Geräte.
Damit ist es auch möglich, die mit FLARM ausgestatteten Flugzeuge in der unmittelbaren Um-
gebung auf dem Schirm mit Flughöhe, Richtung und Peilung abzubilden. Sehr hilfreich ebenfalls,
da auf dem XCSoar User Interface mehr als ein Flugzeug gleichzeitig abgebildet werden kann.
Für die Verbindung gibt es mehrere Wege:

- serielles I/O Board (Variante 1)
- serielles I/O Baord (Variante 2)
- FLARM Blutooth

Falls ich hier meinen ersten erfolgreichen Connect zum Boardnetz habe, schreibe ich das
detailliert in einem eigenen Artikel :)

 

Display

Das 720p HD AMOLED Display liefert ein ordentliches Bild mit satten Farben. Die Voreinstellung
mag hier etwas dunkel erscheinen, wobei ich vermute, dass Samsung hier noch etwas mehr aus
der Akkulaufzeit gekitzelt hat als es eigentlich nötig gewesen wäre. Das ändert sich eventuell noch
in einer zukünftigen Firmware. Die Ablesbarkeit in der Sonne ist im Vergleich zum HTC One X und
anderen neueren LCD-Displays ein wenig hinterher. Es lässt sich zwar ablesen, ist aber sicher nicht
so hell wie das HTC One X im direkten Vergleich. Ein weniger aussagekräftiges youtube Video
spare ich mir an dieser Stelle, da man das auf den Aufnahmen nicht besonders gut erkennen kann.
Auch das Galaxy Note ist hier einen Tick heller und dank des grösseren Displays auch leichter ables-
bar. Die Ablesbarkeit ist zwar ausreichend, aber ein wenig mehr Helligkeit und damit auch ein wenig
mehr Kontrast hätten an dieser Stelle sicherlich gut getan. Ohnehin will man im Flugzeug und speziell
im VFR-Flug eher nach aussen den Luftraum beobachten als andauernd auf ein Display zu sehen.
Allerdings hätte hier eine bessere Lesbarkeit eine kürzere Benutzerzeit der Software zur Folge, was
mit Sicherheit besser wäre. Kleine Abzüge also in dieser Disziplin.

[Update:]
Offensichtlich ist das Display wohl nur softwareseitig dunkler gedimmt, wie ich bereits angenommen habe. In einem aktuellen Update auf Firmware XXLF6 wird schon ein zusätzlicher Helligkeitsregler in der Notification Tray bereitgestellt. Ebenfalls wird die zu sparsame dunkle Beleuchtung ein wenig heller gestellt. Laut Displaymate ist das dunkle Display wohl auch nur per Software eingebremst:

http://www.displaymate.com/OLED_Galaxy_S123_ShootOut_1.htm
[/Update]

Bauform und Handling

Der flache und extrem leichte Korpus des Smartphones sind zum Fliegen perfekt. Ich persönlich
habe ein AEGIS-Case aus hartem Polycarbonat für das Telefon gekauft und mir auf der Rückseite
zwei Schlitze eingefräst, durch die ich einen Lederriemen mit Klettverschluss gezogen habe. Damit
befestige ich das Galaxy S3 mit dem Gurt an meinem Oberschenkel und habe es so zur problemlosen
Bedienung griffbereit und kann wegen eventuell ungünstiger Sonneneinstrahlung das Telefon mit
meinem Bein in einen bessern Winkel stellen, so dass das Display die beste Sichtbarkeit liefert. Meist
ist in den Segelflugzeugen kaum Platz zum Anbringen eines Saugnapfes und an der Cockpithaube
will ich Galaxy S3 nicht anbringen, da es mir in brenzligen Situationen (zB im Hangflug mit vielen anderen)
die Sicht beeinträchtigen würde. Durch die leichte Bauweise merkt man das Telefon bei verschiedenen
Belastungslevels ziwschen -4 g und 6 g kaum. Es wird also kein schwerer Klotz am Bein bei einem
Parabelflug oder Looping, auch ändert es seine Fixation nicht.

 

Fazit zum Samsung Galaxy S3 im Flugmodus:

Alles in allem ein sehr gelungenes Telefon mit extrem schneller, sparsamer und flugtechnisch
brauchbarer Hardwareausstattung. Super Bedienbarkeit, einfaches Handling und perfekte
Grösse. In der weissen Gehäuseausführung auch keine übermässige Erhitzung durch direkte
Sonneneinstrahlung des Smartphones, es wird also nicht auf Dauer unangenehm heiss am
Bein, wie es bei den schwarzen Telefonen/Cases der Fall ist. Obendrein schützt die günstigere
Temperatur wohl auch die Bauteile des nicht ganz günstigen Flugbegleiters. Beim Display wäre
ein Tick mehr Helligkeit wünschenswert, brauchbar ist es aber trotzdem. Ein kleines Ärgernis ist
die fehlende Auslösetaste für die Kamera, diese ist erstmal nur per Touchscreen bedienbar.
Bis man dann den im Segelflug hilfreichen Sprachauslöser der Kamera entdeckt: Man sagt einfach
"Click" und die Kamera stellt scharf und löst aus. Ein hilfreiches Gadget, wenn schon eine wichtige
Taste fehlt :)


Die Zusatzausstattung Baro/Glonass und USB-Hosting machen das Telefon zum Zentralrechner
in jedem Flugzeug, sehr komfortabel. Arbeitsleistung und Handling sorgen für angenehme und
stressfreie Bedienung während des Fluges und um ein vorzeitiges Herunterfahren wegen fehlender
Akkuleistung muss man sich auch keine Sorgen machen. Hoffentlich bleibt Samsung mit seinen
Geräten wieter dieser "fliegerischen Linie" treu und schafft hier wohl unbemerkt und unbeab-
sichtigt einen kleinen Nischenmarkt. Uns Piloten freut das sicher :)

 

Das S3 am Bein fällt nicht weiter auf und ist perfekt zu bedienen:

Samsung Galaxy S3 white 

Das riesige HD Display kann enorm grosse Bereiche sehr gut darstellen:

SGS3 mit XCSoar 


Benutzte Software:

XCSoar und XCsoar testing von Max Kellermann, XCSoar (kostenlos)

Sensitive Altimeter (kostenlos)



Pros: sehr genaues Barometer, schnelle Rechenleistung, geringer Stromverbrauch, grosses Display,
Glonass Satellitengenauigkeit, sehr schneller Satfix auch ohne A-GPS (Daten), sehr gute Bauweise
und Gewicht, weisser Korpus, sehr gute Bedienbarkeit, stabiles System für XCSoar, USB-Verbindung
zu Flugzeugkomponenten wie zB FLARM und Altair,

Cons: Display könnte ein wenig heller sein, im Moment noch schlechte Verfügbarkeit. Keine Taste zum Auslösen der Kamera (nur Touchscreen)

 

weitere Links:

Die Hardware im Detail

iFixit.com - SGS3 zerlegt